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Foto: Ralph Barthelmes
Foto: JCC Die
Kinder sollen früh an die Marke herangeführt werden.
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Die 24-jährige Rania
macht Karriere bei Al Dschasira - sie baut den Kinderkanal
auf.
Es war
eine dumme Idee, fand Faruk Jammal, und er sagte das
seiner Tochter in deutlichen Worten. "Du willst
Journalistin werden?" Er hatte gute Argumente dagegen:
Im Libanon kann es gefährlich sei, die Wahrheit zu
schreiben, die Arbeit ist schlecht bezahlt, und –
vielleicht das Schlimmste – "die Themen, über die
du berichten musst, sind bitter."
Faruk Jammal weiß,
wovon er spricht. Er ist im Libanon ein bekannter
TV-Journalist. Und natürlich wollte er seine Tochter
schützen, als er ihr davon abriet, ihm auf seinem Weg
zu folgen. Tipps und hilfreiche Briefe habe sie von ihm
nicht zu erwarten. Rania musste es alleine schaffen.
Sechs Jahre später arbeitet die 24-jährige Libanesin
beim Fernsehen. Als Producerin hilft sie mit, den "Al
Jazeera Children’s Channel" (JCC) aufzubauen, den
Kindersender von Al Dschasira. Zur Zeit macht sie ein
Praktikum bei "Kinderkanal" in Erfurt.
In ihrem Büro dort steht in
der Zimmerecke eine Riesenblume aus Pappmaché. Rania
redet leise, sieht schüchtern aus. Nicht wie eine
knallharte Karrierefrau, die sich aus kleinen Verhältnissen
und gegen den Willen ihres Vaters in das globale
Mediengeschäft vorarbeiten will.
Über den
Konflikt der Kulturen, das stellt sie sofort klar, oder
das Image ihres Arbeitgebers als Propagandasender, will
sie nicht sprechen. Wie eine Politikerin weicht sie Fragen
aus, verweist auf die Marketing-Abteilung. Lieber spricht
Rania über ihre Karriere, und warum es schon immer ihr
Traum war, als Journalistin zu arbeiten. Ist ja schließlich
eine gute Story. Erst
Rekorder, dann Stipendium
Rania wurde mitten im
libanesischen Bürgerkrieg geboren. Um sich vor Granaten
zu schützen, versteckte sich Ranias Familie im Keller
ihres Beiruter Mietshauses. Wenn ihre Mutter in die
Wohnung ging, hinauf in den dritten Stock, um zu kochen,
konnte das ein Abschied für immer sein. In den Nachbarhäusern
hatten sich Scharfschützen verschanzt. Ranias Vater aber
wollte in der Stadt bleiben, um über den Krieg zu
berichten. "Es war für mich wie ein Abenteuer", sagt
sie, "er war mein Held." Eines Abends schenkte Faruk
Jammal seinen drei Töchtern einen Kassettenrekorder. Sie
sollten aufnehmen, was sie erlebten, während er nicht da
war. Ihren Tag dokumentieren, Informationen sammeln. Am
liebsten führten die Mädchen damit Interviews. "Wer
sind deine Freunde? Wie alt bist du?" Da, erzählt sie,
hat es angefangen, die Begeisterung für den Beruf.
Karriere hat im Libanon nicht nur
mit Talent zu tun. Man braucht in der zersplitterten
Gesellschaft das richtige Parteibuch, die richtigen
Kontakte, die richtige Religion. Eigentlich keine guten
Startvoraussetzungen, aber Rania bekam nach dem Abitur
eines der wenigen Stipendien an der "Amerikanischen
Universität von Beirut", der Kaderschmiede des Nahen
Ostens. Neben dem Studium jobbte sie bei einem
Fernsehsender, sichtete eingekauftes Filmmaterial, vom
Irakkrieg, vom Tsunami, und machte eigenständig Beiträge
daraus. Danach bewarb sie sich bei Al-Dschasira.
Al-Dschasira ist der einzige unabhängige Sender im Nahen
Osten, und gilt mit vielen Millionen Zuschauern als "größte
politische Partei" der arabischen Welt. Eine Stelle in
dem Medienimperium ist eine große Chance. Dafür zog
Rania vom westlich-urbanen Beirut in das
islamisch-konservative Katar, wo Frauen die Erlaubnis
ihres Ehemannes oder Vormunds brauchen, um eine Reise zu
unternehmen.
Der Kinderkanal JCC von
Al-Dschasira wurde 2005 gegründet – auch die Kinder
sollen früh an die Marke herangeführt werden und Rania
war von Anfang an dabei. Ist JCC ein politischer Sender?
Geht es um Religion? Fragen dieser Art würgt Rania ab.
Sie fürchtet, dass die Aussagen ihrer Karriere schaden könnten.
Sie wolle keinen Ärger mit ihrem Sender. Vor kurzem hat
sie ihren ersten Auslandsdreh geleitet, einen Beitrag über
Kinder auf den Philippinen und in Japan. Bald wird Rania
erstmals selbst vor der Kamera stehen, als Moderatorin des
Kinder-Nachrichtenmagazins "Chabberni, Sprich mit
mir". Keine leichte Aufgabe, JCC wird schließlich in 22
arabischen Ländern gesendet, in westlich-liberalen wie
dem Libanon ebenso wie in islamisch-strengen wie
Saudi-Arabien – da ist es schwer, immer den richtigen
Ton zu treffen.
Der deutsche Kinderkanal ist im
Vergleich dazu ein beschaulicher Arbeitsplatz. Und
trotzdem sagt sie: "KiKa und JCC sind sich sehr ähnlich.
KiKa hat vielleicht mehr Ressourcen."
Als sie nach ihrer
Ankunft den Fernseher einschaltete, um das Produkt kennen
zu lernen, hat sie als erstes einen Beitrag über Zungenküsse
gesehen. Dr. Sommer würde auf JCC wohl keinen Sendeplatz
bekommen. Und auch sonst ist hier einiges anders. Ihre
Wohnung in Erfurt liegt gleich neben einem Sex-Shop."Dass
Pärchen unverheiratet zusammen wohnen, ist das normal
hier? Aus welchem Grund heiraten die Leute denn dann?" Irgendwann will sie noch weitere
Schritte in den Fußstapfen ihres Vaters gehen und als
Kriegsberichterstatterin arbeiten. Wenn, dann in "Zone
A", also unmittelbar am Geschehen. Noch ist es ein
Gedanke, der sich manchmal anfühlt wie eine
Verpflichtung. "Man muss doch zeigen, wie schlimm es in
den arabischen Kriegsgebieten zugeht. Die Welt soll das
sehen!" Faruk Jammal, ihr Vater, jedenfalls wird sich
ihr dann nicht mehr in den Weg stellen. Er hat gesagt:
"Mittlerweile bist du alt genug und weißt, was du
tust."
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